Hybride Kriegsführung im Informationsraum

Hybride Kriegsführung im Informationsraum

Der technische Fortschritt schlug sich schon immer sehr schnell in der militärischen Praxis wieder, denken wir an das Automobil oder den Funk. Inzwischen hat die Verquickung von technologischer Entwickung und militär-strategischer Nutzung ein Maß erreicht, das die Vorstellungskraft der meisten Menschen übersteigt. Staaten sind inzwischen gezwungen, auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Souveränität zu wahren.
Mi. 04 Feb 2026 4

Einführung

Es war einmal. Das, was stolz das Völkerrecht, die internationale Ordnung genannt wurde, gibt es nicht mehr. Praktisch jeden Moment erwartet die Welt einen nächsten Akt der Zerstörung, eine weitere Provokation der „der Westen“ genannten absoluten globalen Minderheit gegen ausgewählte Staaten der erdrückenden Mehrheit der Weltbevölkerung. Deren „Vergehen“ – sie wollen einfach nur ihr eigenes, nichtwestliches Entwicklungskonzept verfolgen. Das ist ihr gutes Recht. Zumindest war es das nach den völkerrechtlich verbindlichen Dokumenten zahnloser Organisationen wie UNO oder OSZE.

Januar 2026

Naher Osten, zu Beginn des Jahres 2026. Im engen Schulterschluss waren Israel und die USA der Meinung, dass der Moment gekommen sei, im Iran nach westlich-amerikanisch-israelischen Ordnungsprinzipien mal so richtig aufzuräumen, die Mullahs hinwegzufegen und den Iranern die Segnungen westlicher Zivilisation darzubieten. Selbstredend Letztere erst nach der Regelung einiger unwesentlicher Fragen wie jener über die Eigentumsrechte die reichlich vorhandenen iranischen Rohstoffe betreffend, Öl und Gas ganz oben auf der Liste. Was weder die Israelis und schon gar nicht die Amerikaner begreifen können und wollen: Der Bedarf der Iraner an derartigen Gaben wurde bereits im Zeitraum 1953 bis 1979 so verschwenderisch gedeckt, dass das überaus multiethnische iranische Volk sich lieber weiter an den über 6.000 vom gesamten Westen gegen das Land zelebrierten Sanktionen „ergötzt“, als sich auf ein Szenario wie in Syrien oder dem Libanon einzulassen.

Das Lebensniveau im Iran nahm in den ersten Jahren nach der islamischen Revolution von 1979 einen Aufschwung wie nie zuvor in der Geschichte des Landes. Bildung und medizinische Betreuung sind nach wie vor nicht nur kostenfrei, sondern auf einem Niveau, das nicht nur in vielen islamischen Ländern ihresgleichen sucht. Der Anteil von Frauen unter den Studenten des Landes liegt bei 60 Prozent. Das gelebte meinungspolitische Spektrum würde inzwischen so manchem westlichem Land zur Ehre gereichen.

Die entsprechend dem hinscheidenden Völkerrecht illegalen Sanktionen ließen dem Land keine andere Wahl, als so gut wie alles selbst zu produzieren. Im Ergebnis des dadurch erzwungenen Reverse Ingineerings entwickelte sich der Iran zu einer ingenieurtechnischen Großmacht. Von seinen Raketen und Drohnen spricht inzwischen die ganze Welt mit großem Respekt.

Fakten, über die im Westen nicht oder sinnentstellend berichtet wird.

Felix Abt hat in seinem Artikel „Die Architektur einer von feindlichen ausländischen Mächten herbeigeführten Krise“ reich bebildert und sehr ausführlich beschrieben, wie die Basis des auf westlichen Vorstellungen von Humanismus und Menschenrechten beruhenden zukünftigen gesellschaftlichen Zusammenlebens im Iran sich darstellen würde. Jedem zivilisatorisch nicht abgestumpften Menschen dürfte nach der Lektüre die Entscheidung der überwältigenden Mehrheit der Iraner nachvollziehbar erscheinen, einen anderen Weg gehen zu wollen, selbst wenn dazu ein Krieg geführt werden muss.

Doch der Westen ist hartnäckig. Dieses Jahr soll im Iran endlich wieder das siegen, was dort schon einmal herbeigeputscht wurde. Und das unter der militärischen, finanziellen und politischen Obhut derselben Kräfte, ja derselben Staaten, die sich derzeit in Stellung bringen. Dazu haben die USA und Israel inzwischen so viel Militär rund um den Iran in Stellung gebracht, dass es nach amerikanischem Verständnis auch eingesetzt werden muss, um den gewaltigen finanziellen Aufwand politisch irgendwie zu rechtfertigen.

In den Ländern, die sich zum politischen Westen zählen, sehen die Mehrheit der Bevölkerung und praktisch die gesamte politische Kaste das Geschehen als Kampf des guten Westens gegen das islamische Böse. Die einflussreichen Medien schaffen die Basis für eine derartige Betrachtung und begleiten sie wohlwollend bis befeuernd. Das mediale Geschehen unkritisch zu nennen, ist eine maßlose Untertreibung. Es gibt keine Berichte aus oder über den Iran, die dem Leser, Zuschauer, Zuhörer das Leben dieses ältesten Staates der Welt in seiner Vielfalt neutral oder gar wohlwollend nahebringen würden. Die Rechtswidrigkeit und einzig auf dem Faustrecht beruhenden westlichen Sanktionen werden nicht erklärt und schon gar nicht hinterfragt. Ihre Folgen schreibt man nicht den Verursachern zu, also den westlichen Staaten, sondern fehlendem wirtschaftlichen Sachverstand, Missmanagement und Korruption in der iranischen Führung.

All das gibt es, ohne Frage. Doch vor allem anderen sind es die Sanktionen, die die lautstark kritisierten ökonomischen Probleme verursachen. Abgesehen von der Behinderung einer selbstbestimmten ökonomischen und sozialen Entwicklung des sanktionierten Landes, sind sie durch den überaus beliebten Entzug von Medikamenten und Medizintechnik durch den humanistisch gesinnten Westen die Ursache von unnötigem und auch tödlichem Leid. Das trifft vor allem die Schwachen, Kinder, Alte, Arme.

Die Organisation von Mord und Totschlag

Felix Abt legte in seinem Artikel die Perfidie, Skrupellosigkeit, Unmenschlichkeit bei der Organisation der durch Israel und die USA kuratierten Unruhen vom Januar 2026 offen. Nachdem der Iran die Telefonverbindungen in das Ausland sowie das Internet blockierte, war die Kommunikation über Messenger wie WhatsApp, Telegram, X und andere zunächst gestört. Genau über diese erhielten die vom Westen organisierten und teils dort im Herzen des Gutmenschentums ausgebildeten Gewalttäter ihre Anweisungen.

Doch die westlichen Kuratoren hatten vorgesorgt. Starlink lautete die Lösung. Nach iranischen Angaben wurden im Vorfeld 40.000 Terminale in das Land geschmuggelt.

Was die Macher im Westen jedoch offensichtlich nicht wussten: Auch die iranischen Sicherheitsbehörden hatten ihre Hausaufgaben gemacht. So stellten sie große Mengen der in das Land geschmuggelten Starlink-Terminale sicher. Dann legten sie mit Hilfe russischer Technik die Starlink-Verbindungen größtenteils lahm. Und sie waren in der Lage, die Nutzer der Starlink-Terminale zu lokalisieren, anschließend festzunehmen oder unschädlich zu machen. Ein wohl platzierter Schlag, mit dem offenbar weder Mossad noch CIA gerechnet hatten.

Die vom Westen im ganzen Land organisieren Unruhen waren damit innerhalb von Stunden beendet. Ein Beweis für die Urheberschaft, der keiner weiteren Erklärung bedarf. Allerdings ein Beweis mit aus heutiger Sicht schwer abschätzbaren Folgen.

War davon wenigstens etwas im öffentlich-rechtlichen Medienzirkus zu sehen, zu hören oder zu lesen?

Immer dasselbe Muster

Organisation und Inszenierung von Unruhen nach iranischer Art finden seit vielen Jahren statt – und immer in einer Richtung. Sie werden ausschließlich vom viel zitierten kollektiven Westen in Szene gesetzt. Ich kenne keinen Fall, dass Unruhen von Russland oder China organisiert in einem unter westlicher Kontrolle stehenden Land stattfanden.

Unter dem Klang hehrer demokratischer Schlagworte und Ziele wie „Freiheit“, „Eindämmung sozialer Ungerechtigkeit“, „Für die Schaffung von Rechtsstaatlichkeit“, „Gegen Korruption“ und vielen mehr tragen diese gewalttätigen Inszenierungen wohlklingende, eingängige Namen wie „Orangene Revolution“, „Rosenrevolution“, „Tulpenrevolution“, „Arabischer Frühling“ oder „Revolution der Würde“, um nur einige zu nennen. Sie haben immer dasselbe Ziel: den Export „westlicher Werte“ mittels einer abrupten, von außen erzwungenen Beendigung einer dem kollektiven Westen nicht ins Konzept passenden politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung durch eine gewaltsame Installation einer prowestlichen Regierung.

Wobei der Zweck, also das Ziel, die Mittel zu deren Erreichung heiligt. Es gibt keine Regel, keine Absprachen, kein Bündnis, kein Gesetz, das ohne zu zögern nicht gebrochen wird, kein Mord, der nicht in Frage kommt, keine Grenzen, die nicht überschritten werden, sowohl im wörtlichen als auch übertragenen Sinne, um die so genannten „westlichen Werte“ rücksichtslos einzuführen.

Die praktische Umsetzung dieser die staatliche Souveränität in jeder Hinsicht verletzenden Aktivitäten folgt stets demselben Muster. Dem Internet und den bekannten und beliebten Messengerdiensten kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Da sie für jeden zugänglich sind, kennen die Menschen sie aus der privaten Nutzung, sind im Umgang mit ihnen geübt und haben keine Berührungsängste.

Das dabei eingesetzte politisch-operative Muster für das Vorgehen ist praktisch immer gleich: Man setzt das Zielland von außen unter Druck, politisch und / oder wirtschaftlich, gern durch Sanktionen. Es werden unüberprüfbare Horrormeldungen in die Welt gesetzt oder diese inszeniert, gern mit Gewalt, verbunden mit für das jeweilige Land unannehmbaren Forderungen. Parallel dazu werden im Westen ausgebildete und instruierte „Revolutionäre“ –  die im Falle Irans nach Augenzeugenberichten z.B. oft schon an ihrem mit israelischem oder einem anderen nicht üblichen Akzent erkennbar waren – in das Land gebracht und es wird in den Zielländern Personal rekrutiert. Das übernehmen dann die eingeschleusten Agenten vor Ort und speziell geschaffene Kanäle in den bekannten Messenger-Diensten.

Unter Nutzung eines konkreten oder künstlich geschaffenen Anlasses, wie z.B. die gezielte Währungsmanipulation des iranischen Rial in Doha, werden dann Proteste inszeniert mit dem Ziel, den Staat zu Gegenreaktionen zu zwingen, die der „Weltöffentlichkeit“ dann als brutale staatliche Gewalt verkauft werden. Dazu müssen die Proteste bestimmte Qualitäten aufweisen: sie müssen extrem brutal sein; es muss Blut fließen; Tote sind zwingend. Attacken mit automatischen Waffen auf Sicherheitskräfte oder friedliche Demonstranten, Angriffe mit Flammenwerfern auf wehrlose Personen oder das Zerstückeln von Menschen mit Macheten werden nirgendwo in der Welt als Teil demokratischer Protestkultur angesehen. Doch genauso gingen die diejenigen im Iran landesweit vor, die uns die hiesige Presse als „friedliche Demonstranten“ zu verkaufen versucht, nicht die Sicherheitskräfte. Augenzeugen berichten in Interviews Details, die den Zuschauer fassungslos zurücklassen.

Ich wiederhole auch hier meine oben gestellte Frage:

War davon wenigstens etwas im öffentlich-rechtlichen Medienzirkus zu sehen, zu hören oder zu lesen?

Erfordernisse und Konsequenzen tatsächlicher staatlicher Souveränität

Der Erfolg dieser organisierten Gewalt hängt von vielen Faktoren ab. In einigen Ländern gelang es den westlichen Kuratoren, die staatliche Ordnung in Frage zu stellen, in anderen sogar sie zu zerstören. All das als Ergebnis eines Angriffs auf die staatliche Souveränität, organisiert über den von westlichen Kuratoren staatlich sanktionierten Missbrauch moderner Kommunikationstechnik auf fremdem Staatsgebiet kombiniert mit anderen auf das angegriffene Land zugeschnittenen Maßnahmen.

Es liegt angesichts dessen im Interesse eines jeden Staates, der sich als souverän betrachtet oder die Souveränität als Ziel anstrebt, die Strukturen seines Gemeinwesens so zu organisieren, dass die Bevölkerung in Ruhe und Frieden ihr Leben gestalten kann.

Was versteht man unter staatlicher Souveränität? Sie ist die Gesamtheit aller Maßnahmen und Bedingungen, die es einem Staatswesen erlauben, Entscheidungen unabhängig, auf dem eigenen Willen beruhend und ohne Fremdbestimmung zu treffen.

Der Staat ist ein vielschichtiges juristisches Konstrukt. Seine Souveränität, also seine Unabhängigkeit nach innen und außen, besitzt viele Facetten, als da wären:

·       die militärische Souveränität
·       die wirtschaftliche Souveränität
·       die kulturelle Souveränität
·       die technologische Souveränität
·       die finanzielle Souveränität
·       die politische Souveränität

Eine solche Aufsplittung dient nur zur Betrachtung unterschiedlicher Aspekte und zum besseren Verständnis der Problematik. Die Souveränität eines Staates ist nur gegeben, wenn er in allen Teilbereichen tatsächlich ohne fremde Einflüsse seine Entscheidungen treffen kann. Ohne militärische Souveränität z.B. ist eine freie wirtschaftliche Entwicklung nicht möglich. Die militärische Souveränität ihrerseits bedarf einer soliden finanziellen Souveränität, die sich wiederum aus der wirtschaftlichen Souveränität ergibt und so weiter.

Teilbereiche haben eine scheinbar unterschiedliche Gewichtung. Doch da sie einander bedingen und beeinflussen, kann der Verlust der Souveränität über einen beliebigen dieser Teilbereiche letztlich zum Verlust der staatlichen Kontrolle insgesamt führen. Wenn eine ausländische Macht einen der oben genannten Teilbereiche beherrscht, ist die staatliche Souveränität des Staates nicht nur eingeschränkt, sondern nicht mehr gegeben.

Genau das ist zu beobachten, wenn der Westen wieder einmal eine Regierung irgendwo stürzen will. Seine Konzentration auf die Nutzung der Kommunikationstechnik, Messengerdienste und Internet ist das Ergebnis einer Kosten-Nutzen-Analyse. Praktisch alle Techniken zum Internet wurden im Rahmen der militärischen Forschung erfunden und stehen sowohl technisch als auch hinsichtlich der Datenbasis bis auf wenige Ausnahmen unter US-amerikanischer Kontrolle. Dazu sind die nötigen „Waffen“ (Computer, Tablet, Smartphone, Software) weltweit ohne weiteren Aufwand zugänglich.

Die meisten Länder sind Attacken in diesem Bereich weitgehend wehrlos ausgeliefert.

Ein Blick in die Zukunft der Kommunikation

Der russische Präsident Wladimir Putin äußerte sich dazu bereits im Juni 2022 wie folgt:

„Wenn ein Land oder eine Gruppe von Ländern nicht in der Lage ist, souveräne Entscheidungen zu treffen, handelt es sich bereits in gewissem Maße um eine Kolonie, und eine Kolonie hat keine historischen Perspektiven, keine Chance, in einem so harten geopolitischen Kampf zu überleben.“
Vladimir Putin im Juni 2022

Um sich vor derartigen Technologie-Angriffen zu schützen und ihre staatliche Souveränität wahren zu können, werden die Staaten über Maßnahmen nachdenken müssen, die bis vor wenigen Jahren undenkbar waren. Denn der Druck ist riesig.

Auf derselben Veranstaltung sagte der russische Präsident weiter:

„Denn es gibt keinen Zwischenzustand: Entweder ist ein Land souverän oder es ist eine Kolonie, wie auch immer man Kolonien nennen mag.“ … „Wir leben in einer Zeit des Wandels, das verstehen und sehen alle. Es findet eine geopolitische, wissenschaftliche und technologische Transformation statt.“
Vladimir Putin im Juni 2022

Die technischen Maßnahmen, die der Iran zur Niederschlagung der Unruhen ergriff, erlauben einen Ausblick darauf, was es - kommunikationstechnisch gesehen - heißen wird, die technologische und damit staatliche Souveränität zu wahren oder neu herzustellen.  Wenn allein durch die Trennung vom grenzüberschreitenden Telefon- und Internetverkehr Angriffe dieser Art zuverlässig abzuwehren sind, dann werden sich souveräne Länder trotz der sich daraus zunächst einmal ergebenden Probleme und Unannehmlichkeiten zu einem derartigen Schritt entschließen.

In China beispielsweise bekommt Google seit Jahren keinen Fuß in die Tür. Und das hat keineswegs nur mit der reichlich vorhandenen lokalen Konkurrenz zu tun. Die Ursache ist eine klare politische Entscheidung beruhend auf den Erkenntnissen der chinesischen Sicherheitsorgane über die Rolle von Meta, Alphabet  und Co. im amerikanischen militärisch-industriellen Komplex.

Auch Russland versucht, Ereignisse wie jene im Iran zu verhindern. Das Internet ist dort in der Art nationalisiert, dass alle Datenbanken, die mit Daten russischer Bürger, Unternehmen und Behörden arbeiten, physisch in Russland sein müssen. Mit den dazu nötigen administrativen und technischen Umbauten begann Russland im Zusammenhang mit dem Putsch in der Ukraine 2014. Damit soll sichergestellt werden, dass bei einem Abschalten des russischen Internets durch interessierte Kreise außerhalb des Landes alle nationalen Prozesse weiterlaufen können. Entsprechende Tests verliefen erfolgreich.

Es gibt in Russland weiterhin eine strikte Kontrolle über die Ausgabe und somit Verwendung von SIM-Karten. Auch die Anzahl der SIM-Karten, die jeder besitzen darf, ist für bestimmte Nutzer limitiert. Reist ein russischer Bürger ins Ausland, so wird das mobile Internet seines Telefons nach der Rückkehr erst nach 24 Stunden automatisch wieder freigeschaltet.

Alle vom Westen organisierten „Revolutionen“ waren gestützt auf den aggressiven Missbrauch von Daten- und Messengerdiensten. Daran wird sich auch nichts ändern. Die gezielte Einschränkung bestimmter Funktionen dieser Dienste, sofern sie sich nicht an nationale Gesetze und Vorgaben halten, ist eine Folge dieses Missbrauchs und somit nachvollziehbar. Facebook, WhatsApp und andere sind daher in Russland nur noch eingeschränkt nutzbar. Auch Telegram spielte bei diversen „Revolutionären“ eine tragende Rolle und wird in verschiedenen Ländern bereits gedrosselt oder blockiert.

In souveränen Staaten geht die Entwicklung also hin zu einer Nationalisierung der Schlüsselelemente der Telekommunikation. Dieser Trend ist nicht neu. Neu ist die erhebliche Beschleunigung dieser Entwicklungen vor dem Hintergrund der gewaltigen geopolitischen Machtverschiebungen unserer Zeit.

Die strategische Bedeutung derartiger Entscheidungen belegt folgendes Beispiel. Jeder nutzt Navigationssoftware, also Programme zur Geolokalisation. Auch dieses System und damit seine heute allgegenwärtige Nutzung hat seinen Ursprung im militärischen Bereich. Es diente vor allem dazu, Raketen ins Ziel zu führen, den Gegner ausfindig zu machen, eigene Kräfte zu steuern. Das amerikanische GPS und das sowjetische Glonass wurden in etwa zur selben Zeit entwickelt, in den 1970-er und 1980-er Jahren. GPS wurde 1989 in Dienst gestellt, dann das russische Glonass 1993.

Die USA bemühten sich zu jener Zeit, also nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, außerordentlich, Russland das amerikanische System schmackhaft zu machen und damit die Entwicklung von Glonass nicht weiter zu verfolgen. Angesichts der damaligen Schwäche Russlands unter Jelzin und der Durchsetzung aller russischen Behörden und Hierarchien mit Amerikanern, verbunden mit dem Ausverkauf von allem und jedem, ist es bemerkenswert, dass sich Russland darauf nicht einließ. Hätte sich Russland damals anders entschieden, so wäre damit der Aufstieg Russlands zu heutiger Größe im Keim erstickt und dem russischen Militär sämtliche Zähne gezogen worden. Das Ergebnis wäre einer bedingungslosen Kapitulation ohne Kampf und Kapitulationsurkunde gleichgekommen. Die Folgen nicht nur für Russland wären katastrophal gewesen.

Vergleichbar fatal in der Konsequenz ist der Verlust der technologischen Souveränität, und zwar für jeden Staat. Selbst das technologisch hochentwickelte Deutschland besitzt keinerlei Souveränität in diesem Bereich. Alle entscheidenden Infrastrukturobjekte, alle Technologien dazu stehen unter amerikanischer Kontrolle. Das Abhören der damaligen Kanzlerin Merkel durch dänische Dienste im Auftrag der USA sowie die Reaktion der damaligen Kanzlerin und der ganzen politischen Klasse waren eine bemerkenswerte Bankrotterklärung.

Fazit

Die schöne bequeme Technik-Welt wird in der Zukunft nicht mehr ganz so bequem nutzbar sein. Die geopolitischen Veränderungen werden ihren Tribut fordern, in allen Staaten. Zu groß sind die sich aus den heutigen technischen Möglichkeiten ergebenden Verlockungen. Politische Entscheidungen werden das Wettrüsten in diesem Bereich zusätzlich zu den technischen Möglichkeiten anheizen.

Die heutigen technologischen Möglichkeiten bieten dem Staat ein Maß an Kontrolle über seine Bevölkerung wie nie zuvor. Sie bilden die Grundlage für die Manipulation von Menschen als willkommene Voraussetzung für die Manipulation ganzer Gesellschaften mit dem Ziel ihrer Zerstörung im Interesse der „Eliten“. Vorgänge, wie im Iran im Januar 2026 geschehen, sind - aus Sicht dieser „Eliten“ - die unabdingbare Folge.

Es wird dauern, bis ein kontrollierbares Gleichgewicht zwischen den unterschiedlichen Kräften wiederhergestellt ist. Bis dahin kann die Souveränität eines Staates in diesem und auch anderen Bereichen, eine tatsächliche Unabhängigkeit von den USA und anderen wohl nur durch die Rückbesinnung auf eigene Ressourcen und eine Abschottung von möglichem Ungemach erhalten oder erreicht werden.

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