Warum Russland gewinnt
Harte Faktoren
Die vielen Gegner Russlands
Wenn man herausfinden möchte, welche Partei in einem Krieg obsiegen wird, kann man zahllose Faktoren vergleichen, beurteilen und einordnen. Der Kollektive Westen führt einen Krieg gegen Russland. Die Ukraine ist lediglich die Plattform, Westeuropa ist das Aufmarschgebiet der NATO, der EU, inklusive der USA. Russland stehen somit folgende Gruppen gegenüber:
die Ukraine als Plattform
die gesamte NATO
die gesamte EU
die Vereinigten Staaten
Russland steht militärisch zahlenmässig 41 Staaten gegenüber, welche die Ukraine gegen Russland militärisch direkt unterstützen – das ist einzigartig in der Weltgeschichte. Dazu kommt, dass Europa nicht der Meinung ist, bereits im Krieg gegen Russland zu stehen, was mit Fug in Abrede zu stellen ist. Europa geht davon aus, dass es noch Jahre dauern wird, bis der Krieg ausbricht. Sie glauben somit, dass Russland brav darauf warten wird, bis Europa zu einem Krieg bereit ist.
Russischer Vormarsch
Militärisch hat Russland bewiesen, dass es diesem Riesengegner gewachsen ist. Ich verweise auf die Frontberichte, welche nicht propagandistisch, sondern faktisch informieren. Tatsache ist, dass die Front in der Ukraine am Bröckeln ist und der Vormarsch russischer Truppen sich verstetigt und seit einigen Wochen beschleunigt. Die letzten befestigten Städte wie Kramatorsk und Slawjansk werden Schritt für Schritt von den Russen eingeschlossen. Die Luftabwehr der Ukraine ist praktisch zum Erliegen gekommen, was den Russen erlaubt, die Front aus der Luft direkt zu bombardieren.
Die andere Front, Russland als Ziel terroristischer Anschläge, dient dem Westen als Mass des russischen Untergangs. Tatsache ist, dass diese Anschläge – etwa gegen Wildberries und Ozon – und russische Energieinfrastruktur durchaus einen störenden Einfluss auf das Leben in Russland haben, jedoch in keiner Weise einen Einfluss auf den militärischen Ablauf des Konflikts. Zudem wurde die Ukraine als Folge seiner Angriffe auf Russland in den letzten Wochen zum Binnenland. Der Hafen von Odessa ist ausser Betrieb und damit hat die Ukraine den einzigen effizienten Weg, Weizen zu exportieren, verloren. Mit dem Wegfall des Schwarzen Meeres als Handelsweg verlor die Ukraine über 70 % der Handelsinfrastruktur für Exporte.
Wie unterschiedlich Russland bzw. die Ukraine mit ihren Soldaten umgehen, ist augenscheinlich, bzw. schockierend. In Russland wird niemand an die Front geschickt, der nicht kämpfen will. Pro Monat melden sich mehr als genug junge Männer zum Dienst an der Front. In der Ukraine werden junge Männer auf der Strasse, in Cafés, Sportclubs und an Schulen regelrecht gejagt und nach einer Schnellbleiche zum Sterben an die Front gesandt. Jetzt geht die Ukraine einen Schritt weiter, und es werden bald Frauen an die Front geschickt. Scott Ritter wird in Kürze darüber schreiben.
Für russische verletzte Soldaten tut die russische Armee alles, was möglich ist. Man hört Geschichten in der Ukraine, dass man als verletzter ukrainischer Soldat lediglich Behandlung erhält, falls man zahlt. Weiter hört man, dass gefallene ukrainische Soldaten von den eigenen Leuten in Massengräbern verscharrt werden, einerseits um es den Offizieren zu erlauben, weiterhin Sold für tote Soldaten in die eigenen Taschen zu stecken (der Sold wird in der Ukraine über die Kommandeure ausgezahlt) und andererseits, um den Hinterbliebenen keine Witwenrenten zahlen zu müssen. Das scheint die Realität zu sein, von der niemand im Westen spricht. Das soll nicht heissen, dass der Fronteinsatz für die russischen Soldaten nicht verheerend ist, er ist es für alle. Tatsache ist jedoch, dass die russischen Soldaten motivierter sind, eine Grundvoraussetzung für einen Sieg. Sie wissen, dass ihre Armeeführung und die Gesellschaft alles unternimmt, um sie zu schützen.
Wie weit Russland westwärts marschieren wird, ist schwer zu sagen. Ich verweise dazu auf meine Ausführungen in «Der Sommer als der Frieden starb», dort diskutierten wir eine Maximallösung, in welcher von der Ukraine nur noch ein Rumpf übrigbleibt und Polen, Ungarn und Rumänien ihre alten Gebiete zurückholen.

Wirtschaft
Das Sanktionsregime gegen Russland begann bereits 2014. Seit diesem Zeitpunkt begann Russland in einem ersten Schritt die Agrarwirtschaft auszubauen. Russland wurde nicht nur autark, sondern weltweit einer der grössten Agrar-Exporteure. 2025 exportierte Russland Agrargüter im Umfang von 41.6 Milliarden Dollar in 170 Länder, bei Weizen ist Russland Weltmarktführer.
Im Februar 2022 setzte ein Sanktionssturm gegen Russland ein, mit dem Ziel, das Land in kürzester Zeit in die Knie zu zwingen. Dieses Vorhaben scheiterte kläglich, und Russland überstand diesen Wirtschaftskrieg nicht nur, sondern schaffte es, die Wirtschaftsleistung deutlich zu steigern. Europa und speziell Deutschland mussten mit ansehen, dass das Sanktionsregime Europa und speziell Deutschland schädigt; der Industriestandort Deutschland in seiner bisherigen Form ist Geschichte.
2022 | 2023 | 2024 | 2025 | 2026 | |
Russia | 100.0 | 104.1 | 109.2 | 110.3 | 111.5 |
Germany | 100.0 | 99.1 | 98.6 | 98.8 | 99.5 |
Quelle: IMF
Für Russland war es ein Balanceakt, einerseits die russische Privatwirtschaft am Gedeihen zu erhalten und gleichzeitig schrittweise auf die Kriegswirtschaft umzustellen. Eines der grössten Probleme dabei war, die durch die westlichen Sanktionen hervorgerufene Inflation nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.
Die russische Zentralbank-Präsidentin Elvira Nabiulina hielt und hält den Leitzinssatz stramm über der Inflationsrate, sehr zum Unmut investitionsintensiver Wirtschaftszweige Russlands. Russland ist die einzige Industrienation der Welt, welche sich ein solches Zinsregime überhaupt leisten und aufrechterhalten kann, da die Schuldenquote der russischen Föderation um ein Mehrfaches tiefer liegt als jene der westlichen Nationen, die sich höhere Zinsen gar nicht leisten können. Präsident Putin vertraut seiner Zentralbankchefin - zu recht.

Gegenwärtig liegt der Leitzinssatz der Bank of Russia bei 14 %, jener des Federal Reserve bei 3,50 bis 3,75 %. Der zehnjährige US-Bond liegt gegenwärtig bei 4,7%, und Experten in den Vereinigten Staaten befürchten einen Kollaps des Bondmarktes, falls der zehnjährige Zins über 5,5% - 6% zu liegen kommt.
Die Wirkung von Scott Bessents eingeleiteter Intervention Twist – es werden kurzfristige US-Papiere verkauft und langfristige Obligationen zurückgekauft – war nach 24 Stunden bereits verpufft. Die Interventionsgrösse beläuft sich insgesamt auf ungefähr 28 Milliarden Dollar. Die Grösse des amerikanischen Obligationenmarktes beträgt ca. 31 Billionen. Das sind 31.000 Milliarden. Das ist ein Tropfen auf den heissen Stein, selbst wenn man in Betracht zieht, dass die langjährigen US-Anleihen – 10 Jahre plus – nur ca. 20% aller US-Anleihen ausmachen.

Gegenwärtig bezahlt der amerikanische Staat auf seine eigenen Schulden von 40 Billionen Dollar einen Zins von ca. 3,35%, das sind 1,340 Billionen oder gut 25% des Steueraufkommens von 5,235 Billionen (2025). Dies ist bereits katastrophal. Wenn die Zinsen noch weiter steigen – und das werden sie – so ist der Kollaps nicht mehr weit.
Interessant ist ein weiterer Umstand. Während der letzten grossen Finanzkrise 2008 fand ein reger Austausch und Koordination zwischen den USA und Europa statt. Davon ist diesmal nichts zu spüren. Die meisten Länder – auch westliche – werfen US-Anleihen auf den Markt, um ihre eigene Haut zu retten; jeder ist sich selbst der nächste: Koordination und Loyalität werden wir wohl nicht mehr sehen. Vielmehr versuchen die Amerikaner, jene Staaten, die viele US-Anleihen halten – Japan, Grossbritannien, China etc. - unter Druck zu setzen, ihre Anleihen nicht zu verkaufen. Das wird nicht gelingen, da Japan und Grossbritannien verkaufen müssen, um ihre eigenen Märkte zu schützen und China seit 2013 US-Anleihen verkauft, seit 2018 beschleunigt.
Wie ernst die Lage für die USA ist, sieht man an einem Zitat Trumps vom 21. August 2026, als er im Zusammenhang mit Ländern, welche US-Anleihen abstossen, wörtlich sagte:

«Wir haben viele Arten der Intervention. Die ultimative Intervention ist unser Militär. Wenn wir es einsetzen müssen, werden wir das tun.»
Präsident Trump, 21. August 2026
Wie und gegen wen Trump militärische Mittel aufgrund von Bond-Verkäufen einsetzen würde, sagte Trump nicht. In diesem Zusammenhang ist das auch nicht wichtig, sondern diese Aussage zeigt lediglich, wie nervös die Amerikaner sind. Falls der amerikanische Bond-Markt kollabiert, werden die Amerikaner den gesamten kollektiven Westen in den Abgrund reissen.
Das Sanktionsregime sorgt dafür, dass Russland den westlichen Marktrisiken nicht ausgesetzt ist. Der beschriebene Kollaps würde Russland demnach höchstens peripher tangieren.
Waffenproduktion
Im Gegensatz zu Europa hat Russland den Schritt zur Kriegswirtschaft bereits vollzogen. Dieser Schritt fiel Russland sehr viel leichter als den USA und ihren NATO-Vasallen, da alle wichtigen Rüstungsfirmen unter Kontrolle des russischen Staates stehen. Die NATO beschränkt sich darauf, grosse Ankündigungen zu machen und viele Gelder bereitzustellen. Hier verweise ich auf ein Zitat von Mark Rutte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz am 21. Mai 2025 in Brüssel. Dort äusserte sich Rutte wie folgt:

«Sie [die Russen] produzieren derzeit bei Munition in drei Monaten das, was die gesamte NATO in einem Jahr produziert.»
Mark Rutte, 21. Mai 2025
Russland hat im vergangenen Jahr die Waffenproduktion erheblich erhöhen können, so dass sich damit der Abstand zur NATO wohl noch vergrösserte.
Das Grundproblem der amerikanischen Waffenproduktion besteht in den Eigentumsverhältnissen der Rüstungsindustrie. Dem amerikanischen militärisch-industriellen Komplex geht es nicht darum, effiziente und hochkarätige Waffensysteme in grosser Zahl zu produzieren, sondern viel Geld zu verdienen. Die Konsequenzen konnte die gesamte Welt im laufenden Konflikt im Nahen Osten sehen. Die Amerikaner haben in 40 Tagen Krieg mit dem Iran, je nach Munitionsart, 50% bis 80% ihrer gesamten Vorräte verbraucht. Sie werden zwischen zwei und acht Jahren benötigen, um dieses Defizit wieder auszugleichen. Ein Zeichen dafür, dass der kollektive Westen in keiner Art und Weise gerüstet ist, einen längeren militärischen Konflikt erfolgreich führen zu können.
Russland ist autark
Einer der grössten Vorteile Russlands ist seine Autarkie. Energie: 2024 produzierte Russland 60,3 Quadrillionen BTU Primärenergie. verbrauchte selbst aber nur 34,3. Bei Nahrungsmitteln weist Russland folgende Selbstversorgungsgrade aus:
Getreide: 152,4 %
Pflanzenöl: 260,2 %
Fisch: 125,4 %
Zucker: 107,1 %
Russland besitzt somit eine sehr hohe strategische Autarkie.
Dennoch ist Russland auch von Importen, besonders aus China, abhängig. Da Russland jedoch mit China eng zusammenarbeitet und eine echte Allianz zwischen diesen Staaten besteht, ist das kein Grund zur Beunruhigung. Entscheidend ist, dass Russland vom kollektiven Westen komplett unabhängig ist.
Bezüglich Autarkie und Kriegstüchtigkeit sieht es beim Westen düster aus: Der Kollektive Westen ist ist bezüglich kriegswichtigen Gütern – trotz anderweitiger Aussagen – abhängig von Energieträgern aus Russland und dem Nahen Osten und von seltenen Erden aus China; das sind keine Voraussetzungen, um in einem längeren Konflikt nachhaltig zu bestehen.
Weiche Faktoren
Gesellschaft
Alle militärischen und wirtschaftlichen Argumente sind jedoch schlussendlich nur im Zusammenspiel mit dem wichtigsten Faktor konfliktentscheidend: Dem Willen der entsprechenden Bevölkerungen für ihr Land tatsächlich aufzustehen, zu kämpfen und ihr Leben zu geben.
Russland
Dazu müssen die Menschen wissen, wofür sie kämpfen: Die Russen wissen das und der Westen mit seinem ungezügelten Hass auf ihr Land hat daran einen grossen Anteil. Sie kämpfen für ein einiges, starkes, sicheres, resilientes und souveränes Vaterland.
Man kann in Russland viele verschiedene Meinungen zum Kriegsverlauf hören, auch sehr skeptische, wenn es um die Intensität und das Ausmass des Konflikts geht – siehe etwa Karaganov, welcher die Meinung vertritt, dass etwa Deutschland die Furcht vor den militärischen Fähigkeiten Russlands verloren habe und zur Abschreckung einen Nuklearschlag gegen Europa befürwortet (Karaganov-Doktrin). Präsident Putins Strategie wird durchaus öffentlich diskutiert und kritisiert. Putin, welcher einen deeskalierenden Charakter hat, liess sich vor ein paar Tagen von der Duma – und somit vom Volk – seinen Kurs nicht nur bestätigen, sondern die Duma Abgeordneten befürworteten ein härteres Vorgehen mit «mehr Mut», auch wenn dabei der Blutzoll erhöht wird.
Diese Diskussion wird in aller Öffentlichkeit ausgetragen und ist Bestätigung für die Lebendigkeit der öffentlichen Meinungsäusserung in Russland. Eine solche Diskussion über die Kriegsstrategie kann nur in einem Land geführt werden, das einig ist. Das Ziel ist die einigende Klammer.
Das scheint auf den ersten Blick nicht weltbewegend zu sein. Die Bedeutung wird deutlich, wenn man auf die Situation der Gegner schaut.
Der Westen
Die Hauptingredienz der westlichen Strategie ist Hass: Hass auf Putin, auf Russland, auf die Russen, auf alles Russische inklusive der russischen Kultur. Das ist auf den ersten Blick eine primitive und einfach zu implementierende Strategie, derer sich bereits die Nazis bedienten. Hass zersetzt jedoch nicht den Gegner, sondern jene, welche dieses Gefühl sähen – die westliche Gesellschaft selbst. Es ist nicht nachhaltig, permanent gegen etwas zu sein, wenn man nicht weiss, wofür man selbst einsteht. Und das ist das Problem der westlichen Gesellschaften. Gleichzeitig ist es das ganze Geheimnis des Erfolgs der Russen, das sie zum Sieg führen wird. In diesem Konflikt wird jener gewinnen, der neben den oben besprochenen harten Faktoren Durchhaltewillen zeigt. Den kann man nur entwickeln, wenn man für etwas mit Überzeugung einsteht.
Das Einende, das in Russland wächst, ist im Westen nicht zu erkennen. Hassende Menschen finden keine Energie, das Einende zu kultivieren. Hass ist destruktiv in seiner Natur und verfügt über keine positive Energie. Verfolgt man die westlichen Medien, so ist zu erkennen, dass die Führer der betreffenden Länder nichts unternehmen, das Leben ihrer eigenen Bevölkerungen zu verbessern. Es werden Unsummen bereitgestellt, um Russland zu bekämpfen bei gleichzeitiger massiver Senkung von Bildungs- und Sozialausgaben. Man kann sich des Eindrucks nicht entziehen, dass den Herrschenden im Westen die Wohlfahrt der Bevölkerung egal ist.
Hinzu kommt: Es ist ein offenes Geheimnis, dass es seit jeher das Ziel des Westens war, Russland zu zerstückeln. Diese Pläne sind 200 Jahre alt und doch brandaktuell – siehe den Beitrag von René Zittlau vom Juni 2023 «Die geplante Zerstückelung Russlands». Davon würden riesige Konglomerate (etwa Blackrock) profitieren, nicht jedoch die Menschen im Westen und auch nicht die Bevölkerungen dieser künstlichen und nach den vorliegenden Plänen nicht lebensfähigen «Nachfolgestaaten» Russlands. Die hinter diesen Plänen stehenden Gruppierungen infiltrieren die westlichen Bevölkerungen mit Hass auf das grösste Land der Erde. Dafür sollen Millionen von Westeuropäern ihr Leben lassen. Wie schwer das zu vermitteln ist, belegt, dass z.B. in Deutschland lediglich 0.17% der befragten wehrfähigen Bevölkerung dazu bereit wären, in der Bundeswehr zu dienen.
Fazit
Es bedarf vieler Elemente, um einen langandauernden Konflikt zu gewinnen. Neben rein militärischer Stärke spielen wirtschaftliche Faktoren und Unabhängigkeit vom Welthandel eine grosse Rolle. Entscheidend ist allerdings ein Volk, das hinter der Regierung steht und bereit ist, diesen Weg mitzugehen.
In jedem dieser Punkte liegt der Vorteil auf Seiten Russlands. Man kann nur hoffen, dass die Entscheidungsträger im Westen das rechtzeitig einsehen; nur dann kann ein Blutvergiessen verhindert werden, das in der Geschichte präzedenzlos wäre.
«Warum Russland gewinnt»