„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – wirklich?
Der folgende Text ist ein Transkript einer Rede, welche Peter Hänseler am 5. September 2026 am Anlass „Mut zur Ethik“ in Sirnach gehalten hat.
Im Jahre 1648 endete der 30-jährige Krieg. Die Parteien kamen zur Einsicht, dass ein Weiterso Europa vollständig ruinieren würde.
Dieser schmerzhaften Erkenntnis verdanken wir die Grundidee des Völkerrechts - die Anerkennung der Souveränität staatlicher Gebilde unabhängig von ihrer Grösse und ihrer Staatsform. Die daraus folgenden gesellschaftlichen Veränderungen, das Zurückdrängen des Einflusses der Kirche und die Entwicklung und Konstituierung bürgerlicher Rechte und Gesellschaften, begründeten ihrerseits eine wichtige Periode der Entwicklung von Wissenschaft, Kunst, Kultur und Wirtschaft. Ihr verdanken wir die philosophischen Erkenntnisse eines Immanuel Kant.
Kants Gedanken zur Würde des Menschen waren das Ergebnis des Wirkens dieser Epoche, die wir die Aufklärung nennen. Unmöglich ohne die schmerzhaften Erfahrungen eines der blutigsten Kriege der Geschichte 200 Jahre zuvor.
Praktisch zeitgleich erschien Goethes Faust, eines der philosophisch meist diskutierten literarischen Werke überhaupt, und das nicht nur im deutschsprachigen Raum. Wenn im Osterspaziergang gesagt wird: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein.“, so hat dieser kurze Satz eine über die Literatur weit hinausgehende Bedeutung.
.jpg)
Weitere 200 Jahre später, im Jahre 2026, treffen wir uns hier, um über den philosophischen Kern der Erkenntnisse von Kant, Goethe und anderer zu debattieren, über die Würde des Menschen. Was hat sich seither getan? Sind wir erkenntnistheoretisch und vor allem in der gelebten Wirklichkeit weiter als zu Beginn des 19. Jahrhunderts?
Es fehlt den westlichen Gesellschaften gewiss nicht an Schriften, an Erklärungen, an Büchern, Filmen, auch nicht an Schulen, Universitäten und anderen höheren Lehranstalten. Unseren Gesellschaften fehlt es allerdings paradoxerweise dennoch an Bildung, an Mut, an gelebtem Vorbild. An Intellektuellen und echten Persönlichkeiten, Vorbildern, an deren Charakter und Handeln die Masse sich zu orientieren vermag, ja auch sich aufzurichten in schwierigen Zeiten.
Da es sie kaum gibt, fehlt es in der Folge zwingend an Demokratie. Demokratie ihrerseits wird in der westlichen Gesellschaft allerdings ausschliesslich als Konzept der Parteienherrschaft verstanden und interpretiert. Das traurige Ergebnis: Die Parteien kontrollieren die Gesellschaft und in der Konsequenz sich selbst. Niemand kontrolliert die Parteien.
Somit werden die philosophischen und zivilisatorischen Errungenschaften zur hohlen Phrase. Solange die Parlamentarier das Wohl ihrer Gönner und Parteien über ihre gesetzlich garantierte Gewissensfreiheit und somit den Willen ihrer Wähler stellen, wird sich daran grundlegend auch nichts ändern.
Womit wir beim Kern des heutigen Themas sind, bei dem, was viele Menschen angesichts der üblen gesellschaftlichen Realitäten unruhig umtreibt: Die Würde des Menschen als DIE Basis für alle anderen zivilisatorischen Errungenschaften.
Um die Menschenwürde zu verstehen, brauchen wir ein Grundverständnis von Gut und Böse – das ist Ethik.
Gegenstand der Ethik ist wiederum die Moral. Die Moral bestimmt ihrerseits die normativen Orientierungen, also Ideale, Werte, Regeln, Urteile, die das Handeln von Menschen bestimmen.
Doch worauf bauen die Menschen diese ihre Orientierungen heute? Begriffe wie „Werte“ und „Regeln“ werden seit Jahren bewusst entkernt, ihrer Bedeutungen beraubt. Die Basis für das Handeln von Menschen, die vielzitierten Werte werden also gezielt und bewusst entwertet. Um den Zustand der heutigen Gesellschaften zu erklären, um einen Ansatz zu deren Gesundung finden zu können, müssen wir inzwischen sehr weit in unserer Geschichte zurückgehen, tiefer graben, denn das Selbstverständliche ist nicht mehr selbstverständlich. Wir müssen zurück zu den Ursprüngen, die menschliche Gesellschaft betrachten wie unter einem Mikroskop, de facto die Aufklärung noch einmal erkenntnistheoretisch durchleben und die uns wie von selbst von der Zunge gehenden Begriffe – Werte, Regeln, Moral, Würde, Anstand - wieder neu denken, redefinieren, um uns der Irrwege bewusst werden zu können und auch bewusst zu werden. Dabei sollten wir uns Kant zum Vorbild nehmen, der sagte:
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“
Immanuel Kant, „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“, in: Berlinische Monatsschrift, Band 4, Zwölftes Stück, Dezember 1784, S. 481–494

Der Brockhaus, letzte gedruckte Ausgabe von 2006 sagt:
„Menschenwürde, der unverlierbare, geistlich-sittliche Wert eines jeden Menschen um seiner selbst willen. Mit ihr ist (nach einer Formulierung des Bundesverfassungsgerichts) der soziale Wert- und Achtungsanspruch des Menschen verbunden, der es verbietet, den Menschen zum blossen Objekt des Staates zu machen oder ihn einer Behandlung auszusetzen, die seine Subjektqualität prinzipiell in Frage stellt.“
Tönt gut. – Weiter heisst es im damaligen Brockhaus:
„Nach Art. 1 Abs. 1 GG ist die Menschenwürde unantastbar: sie zu achten und (gegen Verletzungen durch andere Personen) zu schützen, ist Verpflichtung aller staatlicher Gewalt. Damit ist in Abkehr von einem Primat des Staates die Würde des Menschen an die Spitze der Rechtsordnung gestellt. Unantastbarkeit bedeutet Unzulässigkeit jeglicher Missachtung der Menschenwürde. Eine Missachtung ist eine erniedrigende Behandlung des Menschen als blosses Objekt.“
Brockhaus 2006
Wenn die Deutschen diese Aussage in Artikel 1 des GG legen, so wollte der Gesetzgeber ganz bewusst die Menschenwürde über alles stellen. Die Menschenwürde ist somit als Oberbegriff der nachfolgenden Grundrechte zu verstehen. Das Beschneiden von Grundrechten führt somit zur Aufweichung bzw. Zerstörung der Menschenwürde.
Schon Kant sieht die Idee der Würde als einen bedingungslosen, unvergleichlichen Wert, der allen Menschen gleichermassen zusteht und innewohnt. Er unterscheidet dabei die innere Würde – sie beruht auf dem Menschsein selbst – und die äussere Würde – die Würde eines Menschen im Umgang mit anderen und der Gesellschaft.
Professor Bielefeldt schrieb 2008:
„Weil sie in der Würde des Menschen begründet sind, haben die Menschenrechte ausserdem den herausragenden Stellenwert „unveräusserlicher“ Rechte.“
Heiner Bielefeldt, Menschenwürde. Der Grund der Menschenrechte, Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Berlin, Dezember 2008, S. 4.
Was 2008, so selbstverständlich und ohne grosses Aufsehen formuliert wurde, steht heute ganz besonders im Westen generell in Frage. Die insbesondere zu Zeiten der Systemkonkurrenz politisch hoch gehandelten „unteilbaren“ Menschenrechte werden inzwischen ganz offen und ganz besonders im Westen geschleift, um politische Ziele durchzusetzen. Den einen – z.B. Schweizern – werden die Menschenrechte zugesprochen, anderen – Russen, Ukrainern, Palästinensern, um nur einige zu nennen – werden sie inzwischen nicht einmal mehr nur politisch ganz offiziell abgesprochen. Es geht soweit, dass ihnen das Menschsein an sich abgesprochen wird. Palästinenser werden gar zu Tieren erklärt, ohne grossen Protest der Bevölkerungen.
Damit wird die Idee und die Definition der Menschenwürde, die wohlklingend und prominent in alle möglichen Chartas, Verfassungen, Deklarationen platziert wurde, ad absurdum geführt.
Beispiele:
im Artikel 1 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948
in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union, Artikel 1
praktisch gleichlautend im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland oder auch in Artikel 7 der Schweizer Verfassung.
Dieses moralische und inhaltliche Schleifen teuer erworbener Erkenntnisse müsste im Westen täglich riesige Schlagzeilen produzieren, wenn der Westen seine eigene Philosophie, Rechtsgeschichte, seine ethischen und moralischen Grundsätze noch ernst nehmen würde.
Statt Schlagzeilen in allen grossen Zeitungen mit dem Aufruf zu Protesten, statt Menschen in Massen auf den Strassen, Prozessen gegen permanente Verstösse gegen die Menschenwürde, ist diese politisch-moralische Bankrotterklärung der Vierten Gewalt nicht einmal eine Notiz auf Seite 5 wert. Auch die kulturhistorischen Träger des Wissens – die Intellektuellen, Künstler, Hochschullehrer – verbarrikadieren sich zu grossen Teilen in ihren Elfenbeintürmen und steigen aus diesen lediglich herab, um sich mit den Mächtigen der Zeit zum Plausch zu treffen, nicht um diese mit der Realität zu konfrontieren und auf der Basis geltenden Rechts zur Rede zu stellen.
Den die Gesellschaften kontrollierenden Parteien ist es recht, denn sie haben diese Situation geschaffen. Im Namen von wem? In wessen Auftrag?
Die Würde des Menschen wird somit täglich angetastet, im Widerspruch zu den konstitutionellen Versprechungen.
In der oben genannten Studie zur Menschenwürde von 2008 heisst es an anderer Stelle:
„Die Achtung der Menschenwürde hat den Stellenwert einer unhintergehbaren Prämisse aller moralischen und rechtlichen Verbindlichkeiten inne. Sie bildet daher den vernünftigen Grund der Rechtsordnung im Ganzen.“
Heiner Bielefeldt, Menschenwürde. Der Grund der Menschenrechte, Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Berlin, Dezember 2008, S. 4.
Schauen wir unter dieser Prämisse auf aktuelle politische Dokumente und deren Umsetzung in Realpolitik:
Die Charta der Grundrechte der EU gilt für alle ihre Mitgliedsstaaten. Sie gilt zwar nicht unmittelbar für die Schweiz, allerdings ist die Schweiz über bilaterale Verträge eng an die EU gebunden, so dass die Grundrechte der EU mittelbar eine erhebliche Bedeutung für die Schweiz haben.
In den Artikeln 21 und 22 dieser EU-Charta heisst es:
Artikel 21 – Nichtdiskriminierung
(1) Diskriminierungen insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung sind verboten.
(2) Unbeschadet besonderer Bestimmungen der Verträge ist in ihrem Anwendungsbereich jede Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit verboten.
Artikel 22 – Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen
"Die Union achtet die Vielfalt der Kulturen, Religionen und Sprachen.“
Kommen wir zu den Realitäten in westlichen Staaten:
Der deutsche Bundeskanzler Merz dankte Israel öffentlich für die geleistete „Drecksarbeit im Kampf gegen den Iran“. Am 17. Juni 2025 sagte er am Rande des G-7-Gipfels in Kanada im Deutschen Fernsehen wörtlich:
„Frau Zimmermann, ich bin Ihnen dankbar für den Begriff ,Drecksarbeit'. Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht – für uns alle. Wir sind von diesem Regime auch betroffen. Dieses Mullah-Regime hat Tod und Zerstörung über die Welt gebracht.“
ZDF-Interview von Bundeskanzler Friedrich Merz am 17. Juni 2025 am Rande des G7-Gipfels in Kananaskis (Kanada). Interviewerin war Diana Zimmermann, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios.
Merz war lt. ZDF „dankbar für das israelische Vorgehen gegen den Iran.“
Die Perversität und Verrohung journalistischer Umgangsformen repräsentiert ein Detail sehr deutlich: der Begriff „Drecksarbeit“ stammte ursprünglich von der ZDF-Journalistin, die Merz zuvor gefragt hatte:
„Ist das nicht sehr verlockend, dass die Israelis jetzt die Drecksarbeit machen?“
Diana Zimmermann, Leiterin des ZDF-Hauptstudios, 17. Juni 2025
Der Kanzler äusserte somit Dankbarkeit für den Bruch des Völkerrechts gegen einen souveränen Staat, die Missachtung jeglicher Menschenrechte der Bevölkerung dieses Landes und ihrer Menschenwürde ihrer durch Partner Deutschlands vorsätzlich ermordeten Repräsentanten.
An diesem Beispiel sehen wir ganz nebenbei das in Deutschland inzwischen übliche, „normale“ Zusammenspiel zwischen Politik und Medien.
Kanzler Merz hat auch nichts dagegen, dass Israel in Gaza Genozid begeht. Das Existenzrecht Israels ist dem Kanzler wie der gesamten deutschen Regierung wichtig. Dass damit Israels Genozid an den Palästinensern befeuert und somit gegen die EU-Charta verstossen wird, spielt keine Rolle.
Zu Russland und seinen Einwohnern äusserte sich der polnische Präsident Nawrocki am 6. August 2026:
„Sollen sie die ‚Sowjets‘ doch dort töten, wo diese sie angegriffen haben – uns Polen tut das nicht weh. In dieser Frage können sie immer auf unsere Hilfe zählen, denn wo man einen Moskowiter schlägt, leistet Polen Hilfe, auch wenn es nicht direkt an diesem Krieg teilnimmt. Darin liegt das strategische Interesse Polens.“
Präsident Nawrocki am 6. August 2026
Der Auftritt des deutschen FAZ-Journalisten Martens auf der Pressekonferenz aus Anlass des Besuchs von Selenski in Belgrad dürfte allen noch in Erinnerung sein. Mertens fragte Selenski ungestraft in Anwesenheit des serbischen Präsidenten:
„Was können wir konkret tun, um euch dabei zu helfen, mehr Russen zu töten?“
Michael Martens, Belgrad, 8. August 2026

Am 9. Oktober 2023 erklärte der damalige israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant bei der Ankündigung der vollständigen Abriegelung des Gazastreifens:
„Wir kämpfen gegen menschliche Tiere und verhalten uns entsprechend.“
Yoav Gallant, 9. Oktober 2023

Diese Worte verursachen keinerlei Aufschrei in Deutschland. Der Westen weigert sich bis heute, diese Äusserungen auch nur zu kritisieren. Mehr noch: Israel wird in allem, was es tut, unterstützt.
Der israelische Polizeiminister Ben Gvir fordert die Ermordung von 30-40 Palästinensern im Gaza-Streifen. Täglich. Und es wird gemordet. In Gaza, im Libanon, im Westjordanland.
Gab es seitens der Grundrechte-EU irgendeine Kritik, gar Protest? Sanktionen? Nein, aber reichlich Waffenhilfe und politische Unterstützung.
Diese wenigen Beispiele zeigen, die Menschenrechte werden im Westen ganz bewusst geteilt, ja selektiert. Für die einen gelten sie, für andere werden sie nicht nur öffentlich in Frage gestellt, sondern sie werden den Betroffenen rundweg abgesprochen.
Das gab es in Europa schon einmal. Selektion. Damals erfolgte sie auf der Rampe, in Auschwitz und anderswo. Juden, Russen, Ukrainer, „Sowjets“ insgesamt, nach links, die anderen nach rechts.
Auf Grund der Geschichte gilt Juden in Deutschland inzwischen die besondere Fürsorge des Staates. Für andere genannte Nationen, die nicht weniger gelitten haben, gilt sie nicht.
Russen sind die Juden der Neuzeit. Für sie gilt generell eine Ungleichbehandlung. Keine Spur mehr von den „Werten“ der EU-Charta oder nationaler Gesetze.
Dieser Bruch zivilisatorischer Normen gilt bei Bankkonten, Visafragen, für die Teilnahme an Sport- und Kulturveranstaltungen, die Behandlung als Nation in internationalen Organisationen wie z.B. die OSZE, das Olympische Komitee, den Europarat etc. Wenn irgendwo in Westeuropa eine Drohne runterfällt, war es „der Russe“. Wenn Pistolen im Wald gefunden werden, war es „der Russe“. Wenn die Ukraine Drohnen über Polen und das Baltikum nach Russland schickt und diese über den Ländern entdeckt werden, dann ist dafür nicht die Ukraine verantwortlich oder die Baltischen Staaten, nein, es war „der Russe“. „Die Russen“ waren es auch, die die Ukrainer 2014-2015 solange durch ihre Anwesenheit im Donbas von Geburt an derart in Rage versetzt hatten, dass die nazistische, vom Westen in einem Putsch installierte ukrainische Regierung keine andere Möglichkeit mehr sah, als Flugzeuge und Panzer zu schicken und möglichst viele der ukrainischen Russen zu töten, um diese ukrainischen Russen zur Räson zu rufen.
Inzwischen gilt diese Ungleichbehandlung, diese Selektion, diese quasi Rampenauslese auch für Menschen, die sich für normale Beziehungen zu Russland einsetzen oder einfach nur die Welt so beschreiben, wie sie ist und nicht durch die Brille der Herrschenden betrachtet. Beispiele? Jaques Baud, Thomas Röper, Alina Lipp, und viele mehr. Nicht zu vergessen die Weigerung, mit den Botschaften Russlands auch nur zu kommunizieren. Das geht soweit, dass dem Aussenminister Sergej Lawrow Überflugrechte verwehrt werden.
Wie in den 30- und 40-er Jahren sind die Menschen der westlichen Gesellschaft Zuschauer bei dieser Selektion auf der Rampe. Und wie damals ist der Protest minimal, ja es gibt in nicht kleinen Teilen der Gesellschaften des Westens Unterstützung für diese Art „zivilisierten Umgangs“.
Der grosse Transmissionsriemen dieser Politik sind, wie schon erwähnt, die Medien. Erstaunlicherweise treten die öffentlich-rechtlichen dabei deutlich stärker als Einpeitscher in Erscheinung als die privaten. Sie unterstützen den Genozid, die Verurteilung ganzer Völker. Der Mord an Palästinensern wird geradezu herbeigeredet. Ein krasses Beispiel dafür ist die Schweizer „Weltwoche“ des ehemaligen SVP-Nationalrats Roger Köppel. Für ihn kann es im Nahen Osten ausserhalb Israels „nicht genug Israel“ geben und er verbietet, alles Völkermord zu nennen. Völkerrecht, Menschenwürde. Menschenrechte – na und? - siehe "Im Dienste von Völkermord und Kriegsverbrechen - die Schweizer “Weltwoche” auf Abwegen"

Der Kreis schliesst sich. Der erste Satz meines Vortrags bezog sich auf eine der grossen tatsächlichen Zeitenwenden der Geschichte. Es kostete Europa 30 – 50 Prozent seiner Bevölkerung zu verstehen, dass eine neue Epoche anbrach.
Auch heute steht die Menschheit insgesamt vor einem neuen Abschnitt. Die Entwicklungsrisiken sind schwer absehbar. Absehbar ist jedoch: Die Epoche der ungehemmten Entwicklung nach westlichem Vorbild hat sich erschöpft. Wenn die Menschheit und ganz speziell Europa nicht erneut einen Grossteil oder Alles verlieren will, dann muss es Wege finden für einen friedlichen Übergang zu dieser neuen anstehenden Epoche der Multipolarität. Sollte es das nicht tun, ist Kant tot und es ist zu befürchten, dass Europa zurückgeworfen wird auf 1618 – den Beginn eines neuen langwierigen, blutigen Kriegs.
«„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – wirklich?»